Herz Mariä, Schneppenbach

Herz Mariä

Susan Blasius bei Arbeiten in der Herz Mariä Kirche Schneppenbach

Altarweihe der neugestalteten Herz-Mariä Kirche Schneppenbach durch Weihbischof Helmut Bauer am 15. Dezember 2012.

 

Fotos Ansgar Klarmann, Arnold Pfaff

Lesen Sie hier meine Gedanken zu diesem Bild

Aus 3 figürlichen und 2 abstrakten Entwürfen wurde dieser von der Gemeinde- und der Bistumsleitung ausgewählt. Ich möchte Ihnen meinen Weg zu diesem Bild erläutern.

Mit dem Namen der Kirche war das Thema des Bildes vorgegeben: Herz Mariä. Ich denke, dass jeder mit diesem Titel bestimmte, oft sehr gegenständliche Bilder verbindet. Viele haben das jetzt verborgene Bild noch vor Augen.

Warum ist nun hier das Herz nicht sichtbar? Warum nicht einmal Maria? Und stimmt das überhaupt?

Die Kardio-logie, die Lehre vom Herzen, beschränkt das Herz auf seinen Rhythmus und seine Funktion, auf das, was das EKG schreibt oder der Katheterfilm aufzeichnet, auf das sogar transplantierbare Organ.

Aber was bedeutet uns das Herz in unserer Alltagssprache? Und noch wichtiger: Was bedeutet es im Kontext unseres Glaubens?

Wegweisend wurde mir der Blick in das Alte Testament. Der Mensch wird hier – wie wir heute sagen würden – ganzheitlich aufgefasst. Dies wird auch deutlich an den hebräischen Bezeichnungen der Organe und Körperteile. Um ein Beispiel zu nennen: „Af“ bedeutet nicht nur Nase, sondern auch das ganze Gesicht und sogar Zorn, nämlich im Sinne eines zornigen Schnaubens durch die Nase. [1]

Noch umfassender in der Bedeutung ist das hebräische Wort „leb“, also Herz, das uns auch im Deutschen vertraut ist von dem oft herzförmigen Leb-Kuchen.[2] Es meint das konkrete Organ und auch die Herzgegend oder Brust, meint aber auch den „Sitz der physischen Lebenskraft“[3], „das Denken und Fühlen“, eben den ganzen Menschen „mit seinem inneren Sein und Wollen“[4], das „Zentrum des bewusst lebenden Menschen“ [5]. „Es ist eines der Urworte menschlicher Existenz.“ [6]

Die Dimensionen des Wortes „leb“ / Herz werden an folgenden Beispielen deutlich: Mehrmals ist im Alten Testament vom „Herzen des Meeres“ (z.B. Jona 2,4) die Rede, also von der Weite und Tiefe des Meeres. Ähnlich meint das „Herz des Himmels“ (Dtn 4,11) dessen unermessliche Höhe. Die Mitte der Baumkrone wird im 2. Buch Samuel als „Herz der Eiche“ bezeichnet (2 Sam 18,14)[7].

Als das schwingt mit, wenn vom menschlichen Herzen die Rede ist:

Das Innerste des Menschen ist gemeint, wenn es im 1. Buch Samuel heißt: „… Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht auf das Herz.“ (1 Sam 16,6 f) Er prüft auf Herz und Nieren. (Ps 7,10)

Und in seinem tiefsten Inneren kann und soll der Mensch Gott und sein Wirken erkennen, aufnehmen und bewahren:

„Du wirst ihn (Gott) auch finden, wenn du dich mit ganzem Herzen und ganzer Seele um ihn bemühst.“ (Dtn 4,29)

und – so heißt es im Sch’ma Israel:

„Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ (Dtn 6,4-5)

Mit der Verheißung eines neuen Lebens schreibt Gott diese Weisung nun den Menschen in ihr Herz:

„… Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen. Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt.“ (Ez 36,25-29)

Gott schließt den neuen Bund mit dem Haus Israel: „… Spruch des Herrn: Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.“ (Jer 31,33)

Im Herzen also nehmen wir Gottes Wort auf, oder wir nehmen es nicht auf.

Das Neue Testament schließt daran im Doppelgebot, von Herzen Gott und den Nächsten zu lieben. Paulus schreibt im Römerbrief von der Liebe Gottes, die „ausgegossen“ ist „in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Röm 5,5)

„Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“ (Mt 5,8)

Dies ist nicht nur ein moralischer Appell, sondern zugleich Hinweis auf die göttliche Gnade.[8]

Und das gilt im Besonderen und an erster Stelle für MARIA:

Maria ist offen für das Wort und den Willen Gottes. „… Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du es gesagt hast. …“ (Lk 1,38)

Maria lässt sich berühren. Sie wendet ihr Innerstes dem Wort Gottes zu und richtet ihr ganzes Leben nach dem Willen Gottes aus. [9]

Wunderbar formulierte Augustinus: „Maria ist seliger durch die Empfängnis in ihrem Herzen als durch die Empfängnis in ihrem Schoß.“ [10]

Im Jubel des Magnifikats (Lk 1,46 f) bleibt dabei die Warnung nicht aus: „… Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.“ (Lk 1,51)

Den wichtigsten Impuls für dieses Bild aber gab die Weihnachtsgeschichte nach Lukas. Die Hirten berichteten über die Botschaft der Engel von der Geburt des Messias. „Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ (Lk 2,18-19)

So kühl formuliert es die Einheitsübersetzung. Wörtlicher übersetzt heißt !“μ#$%%&“!‘: das Gehörte und Geschehene trug und warf sie in ihrem Herzen zusammen, sie bewegte alles in ihrem Herzen. [11]

Papst Benedikt XVI. beschreibt es folgendermaßen: „Als die hörende Jungfrau lebt sie in vollkommenem Einklang mit dem göttlichen Willen; die Worte, die ihr von Gott zukommen, bewahrt sie in ihrem Herzen, und indem sie sie wie zu einem Mosaik zusammensetzt, lernt sie sie tiefer verstehen (vgl. Lk 2, 19-51); Maria ist die große Glaubende, die sich vertrauensvoll in die Hände Gottes gibt und sich seinem Willen überlässt.“ [12]

So komme ich zurück zu der Frage: Wo ist nun hier im Bild das Herz Mariä sichtbar?

Das Geheimnis des Herzens Mariä ist nicht darzustellen, indem ich es einenge. Es hat Hand und Fuß – aber nicht im konkreten Sinne. Dass Maria das Wort und den Willen Gottes ohne Wenn und Aber empfängt und geschehen lässt, i s t das Herz, i s t das Besondere an Maria. Und diese Offenheit des Herzens Mariä bildet tatsächlich das Zentrum des Bildes. Sie wird erfahrbar und eben doch auch sichtbar in der Tiefe und der Weite ihres Herzens, in die das strahlende Licht der Liebe Gottes ausgegossen wird.

Maria öffnet ihr Herz. Das freudenreiche Herz geht ihr auf und weitet sich. Die Gnade, die Maria tief in ihrem Herzen erfüllt, ihre innere Bewegtheit durch das Wort Gottes wird zu einer sich äußernden Bewegung, die Raum greifend wird. Sie, die als Erste geglaubt hat, ist Empfangende und Gebende zugleich.

Das JA, das Maria aus vollem Herzen gesprochen hat, hat eine Ausstrahlungskraft, die nicht Halt macht vor Sünde und Tod, vor den Dunkelheiten unseres Lebens.

Richard von Sankt Laurentius hat es auf den Punkt gebracht: „Aus dem Herzen Mariens sind der Glaube und die Zustimmung entsprungen, wodurch das Heil der Welt seinen Anfang genommen hat.“ [13]

Susan Blasius

Mein aufrichtiger Dank gilt Herrn Professor Dr. theol. habil. Manfred Hauke und den Mitautoren des XXII. Bandes der Mariologischen Studien „Die Herz-Mariä-Verehrung, Geschichtliche Entwicklung und theologischer Gehalt“. So danke ich im Besonderen auch Frau Professor Dr. theol. Regina Willi für ihren Beitrag „Grundlagen für die Verehrung des Herzens Mariens in der Heiligen Schrift“.

Das Buch war für mich eine reiche Quelle der Information und Inspiration.

[1] Willi, Regina, Grundlagen für die Verehrung des Herzens Mariens in der Heiligen Schrift, in: Hauke, Manfred (Hg.), Die-Herz-Mariä-Verehrung, Geschichtliche Entwicklung und theologischer Gehalt, Mariologische Studien XXII, Regensburg 2011, 49.
[2] Ebd. 47.
[3] Ebd. 54.
[4] Ebd. 53
[5] Willi, 61.
[6] Siedl, S.H., Wasser in der Wüste. Der Glaube als menschliche Wirklichkeit, Insbruck 1971, 113; zitiert nach: Wlli, 47.
[7] Willi, 51.
[8] Hauke, Manfred, Geschichtliche und Systematische Grundlinien der Herz-Mariä-Verehrung, in: Hauke, Manfred (Hg.), Die-Herz-Mariä-Verehrung, Geschichtliche Entwicklung und theologischer Gehalt, Mariologische Studien XXII, Regensburg 2011, 23.
[9] Willi, 69.
[10] Augustinus, De sancta virginitate 3,3 (PL 40, 398), zitiert nach: Hauke, 15.
[11] Willi, 66-67; vgl. auch: Hauke, 25-26. 12 Papst Benedikt XVI.: Nachsynodales Apostolisches Schreiben Sacramentum Caritatis; Verlautbarungen des Apostolischen Stuhles Nr. 177, Bonn, 2007; zitiert nach Willi, 67. 13 Richard von Sankt Laurentius, De laudibus Mariae Virginis II,2,2 (unter Albert Magnus, Opera omnia, ed. Borgnet, Bd. 36, 82, zitert bei O’Carroll, Theotokos, Eugene OR 2000, 167); zitiert nach Hauke, 15.
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